Ein schöner Sommertag, einer der wenigen in 2021. Meine Mutter ist bei mir zu Besuch und wir wollen einen Ausflug machen. In der Nähe von Stuttgart soll es sein, wo wir beide aber noch nie waren. Wir wollen aber auch nicht sonderlich lange fahren. Da bietet sich die Esslinger Burg an, die weithin sichtbar über der Altstadt von Esslingen thront. Und danach kann man gleich noch zum Eis essen oder Kaffee trinken runter in die Stadt.


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Burghof

Die Burg von Esslingen - so kommst du zu ihr

Zwischen Weinbergen, unterhalb des Schuirwaldes (gesprochen Schuhrwald) liegt sie, die mittelalterliche Esslinger Burg. Gut sichtbar von der ihr zu Füßen liegenden Altstadt. Sie ist von der Altstadt aus über Stäffele (Treppen) erreichbar, die teils sehr steil durch die Weinberge führen. Rund 300 Stufen verlaufen durch einen überdachten Gang zwischen Stadtmauer und Weinreben.

Meine Mutter ist nicht mehr besonders gut zu Fuß, deshalb haben wir uns für die Anreise mit dem Auto entschieden. Der Parkplatz ist klein und ziemlich schnell voll, du solltest also früh da sein, willst du hier einen Stellplatz ergattern. Beachte aber, dass du nur eine begrenzte Zeit auf dem Parkplatz stehen darfst. Eine Anreise mit dem Bus oder zu Fuß sollte definitiv in Betracht gezogen werden.

Blick auf Esslingen von der Burg Esslingen aus

Mit der Buslinie 110 bist du in weniger als 10 Minuten vom Bahnhof an der Haltestelle Burg angekommen. Sie verkehrt unter der Woche alle 15 Minuten und am Wochenende jede halbe Stunde.

Eintrittskosten in die Burg von Esslingen

Gemütlich schlendern wir durch die vorgelagerte Parkanlage des äußeren Burgplatzes und unter alten und großen Bäumen hin zum Eingang der Burg. Niemand hält uns auf und verlangt einen Wegezoll. Der Eintritt in den inneren Burghof ist frei!

Kanone auf dem Kanonenbuckel

Bewegte Geschichte der Esslinger Burg

Die Stadtmauer wurde wohl schon ab 1219 erbaut und mit den Jahrhunderten um weitere Schenkelmauern und Türme erweitert. Der Dicke Turm wurde erst über 300 Jahre später, nämlich im Jahr 1525 fertig gestellt. Er diente zur damaligen Zeit als Geschützturm. Erst wenige Jahre zuvor wurde zur Stadtseite hin eine Burgsteige sowie ein Wall und Graben errichtet, die sich 1519 gegen den Angriff des Herzogs Ulrich von Württemberg bewiesen hat.

Vier Jahre später folgte auf den Dicken Turm das Mélac-Häuschen auf der anderen Seite des Burghofs. Das Mélac-Häuschen ist der Austragungsort einer tragischen Geschichte. Es heißt, hier habe sich im Jahr 1688 eine Esslingerin einem französischen General geopfert, um seinen Feldzug gegen die Stadt zu stoppen. Doch ihre Hoffnung, damit die Stadt Esslingen zu schützen, war vergebens. General Mélac habe dennoch großen Schaden in der Stadt Esslingen angerichtet. Eine andere Quelle aber sagt, sie habe ihre Stadt eben doch retten können. Schlussendlich scheint es nur eine Sage zu sein, die unter anderem in der Novelle „Das Mädchen von Esslingen“ (1831) verarbeitet wurde. Ob es das Mädchen von Esslingen nun wirklich gab, erfährst du in der Führung „Haarsträubende Geschichten aus Esslingen“.

Mélac-Häuschen

Im 18. Jahrhundert wurde die Burg noch um eine Hochwacht erweitert und über den Seilergang mit dem dicken Turm verbunden. Und erst rund 350 Jahre nach seiner Fertigstellung, 1887, erhiehlt der Dicke Turm seine charakteristische Haube Ende der 1977 Jahre wurde die Burganlage im Zuge des Stadtjubiläums saniert, wenig später durfte dann auch der Dicke Turm von der Öffentlichkeit betreten werden. Leider ist er aktuell aufgrund von Bauarbeiten nicht zugänglich.

Die Burganlage der Esslinger Burg

Viele dieser Informationen erhältst du auf einem Rundgang durch die Burganlage. Wir gehen nun aber zunächst durch das Burgtor in den Innenhof. Meine Mutter macht gerne Geocaching, deshalb nutzen wir eine sehr schöne Runde und lassen uns durch die Burg führen.

Rechter Hand neben dem Eingang befindet sich die Burgschenke. Hier bekommen müde Besucher ein frisches Getränk und eine kleine Stärkung. Wir hatten gerade erst gefrühstückt und waren nicht hungrig. Wasser haben wir bei dem Wetter auch ausreichend dabei, also geht es zunächst hoch zum Kanonenbuckel. Von hier oben kann man wunderbar auf die Burganlage schauen.

Burgschenke

Viele Blumen und Kräuter wachsen um den Kanonenbuckel herum. Oben stehen einige Bäume, die angenehmen Schatten spenden, während wir von einer der Bänke aus die Sicht auf die Burganlage genießen. Wir sind schließlich zum Entspannen hier und nicht um durch die Burg zu rennen. Ach ja, einige Kanonen gibt es tatsächlich auch noch auf dem Kanonenbuckel. Die Rohre haben 100mm Durchmesser und müssen mal ordentlich gewumst haben, als sie noch in Betrieb waren. Damit aber niemand auf dumme Gedanken kommt, sind die Rohre versiegelt und die Kanonen im Boden verankert. Drum herum wachsen Blumen und Unkraut zwischen den Pflastersteinen. Ein etwas surreales Bild, das gar nicht recht zusammenpassen will.

Der Kanonenbuckel im Sommer

An diesem Ende der Burg steht auch der Pulverturm, der im Vergleich zum Dicken Turm sehr unscheinbar wirkt. Kein prunkvolles Dach, nur eine kleine Aussichtsplattform lassen ihn von innen aus gesehen fast verschwinden. Dass es ein Turm ist, erkennt man beinahe nur, wenn man von außen auf die Burganlage sieht. Vor dem Pulverturm befindet sich ein hübscher kleiner Brunnen, der allerdings bei unserem Besuch ausgeschaltet war.

Pulverturm der Burg Esslingen

Durch den kleinen Garten mit seinen vielen bunten Blumen laufen wir weiter zum Dicken Turm. Leider ist der ja geschlossen, so dass wir ihn uns nur von außen ansehen. Imposant ist er ja tatsächlich und auch das Dach hat eine interessante Form. Nun bin ich was Architektur alter Gemäuer angeht (das gilt übrigens auch für neue Gemäuer) nicht sonderlich bewandert und kann vor Ort nicht wirklich erkennen, in welchem Stil das Dach erbaut wurde. Aber scheinbar ähnelt der Turmhelm den Nürnberger Turmbauten, die als Vorbild herhalten mussten.

Dicker Turm

Ein Wappen befindet sich über dem Eingang zum Dicken Turm. Über das habe ich allerdings nicht wirklich etwas Genaues herausfinden können. Der Doppeladler als Reichsadler könnte hier passen, aber vielleicht hast du noch detailliertere Infos zu diesem speziellen Wappen?

Weiter geht es zum südlichen Tor, das direkt hinaus in die Wengerte (Weinberge) führt. Es ist sehr heiß und in den Weinbergen ist der Schatten bekanntlich eher rar. Deshalb gehen wir nur wenige Meter, damit ich kurz ein paar Fotos machen kann. Runter in die Stadt laufen wollen wir nicht, zumal wir ja gar nicht so lange auf dem Parkplatz stehen dürften.

Wengerte vor der Burg von Esslingen

Auf den Seilergang will ich aber hinauf, also gehen wir noch weiter ein Stück die innere Burgmauer entlang. Ursprünglich scheint das mal eine Schildmauer gewesen zu sein. Immerhin lässt sich sagen, dass diese Mauer nun schon seit über 700 Jahren steht. Was die Menschen früher gedacht haben mögen, die hier für den Schutz der Burg verantwortlich waren?

Esslingen und das Filstal waren damals ja noch nicht zu zugebaut. Heute jedenfalls habe ich eine herrliche Sicht auf die Stadt. Die orangenen Dächer historischer Bauten weiter vorne und neumodische Hochhausbetonklötze weiter hinten. Mir gefällt das alte Esslingen eindeutig besser! Wer mag kann für 1€ oder auch 2€ das installierte Fernglas benutzen und durch die Fenster der Einwohner Esslingens schauen.

Blick auf Esslingen

Wer gut zu Fuß ist kann von hier aus auch die Stäffele (Treppen) zur Stadt hinuntergehen (oder herauf, wie es einige Leute tun). Wir entscheiden, lieber mit dem Auto zu fahren. So riesig ist die Burganlage nicht und ohne Führer kommt man auch nicht wirklich irgendwo rein. Nun schlendern wir jedenfalls den schattigen Weg entlang zum Mélac-Häusle. Schade, dass wir nicht reinschauen dürfen in das 1529 erbaute Gebäude.

Gemächlich und ohne Eile gehen wir wieder zurück zum Auto. Auf einen Besuch in der Burgtaverne verzichten wir heute auch. In der Stadt erwartet uns ein leckerer Kaffee. Den haben wir uns mittlerweile auch verdient.

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14 Kommentare

  1. Hallo Tanja.

    Ich muss ehrlich zu geben, dein Beitrag hat mich richtig inspiriert. Bisher war ich an Deutschland nicht wirklich interessiert, aber die Bilder und vor allem der Blick auf Esslingen hat es mir echt angetan (bin doch ein kleiner Geschichts-Nerd ^^). Vielleicht sollte ich demnächst wirklich mal Deutschland einen Besuch abstatten und Esslingen steht schon mal auf der Bucket-List.

    Bin gespannt, was ich hier noch so alles zu lesen bekomme. Freue mich jetzt schon auf weitere Beiträge.

    Liebe Grüße,
    Vici

  2. Geschichte finde ich absolut faszinierend, vor allem die Zeit des Mittelalters! Wenn es da spannende Dokus im Fernsehen gibt, kann ich einfach nicht umschalten! Oder wie in diesem Fall, nicht weiterscrollen. In Esslingen oder irgendwo in der Nähe war ich bisher noch nie, auch die Burg kannte ich bis eben nicht! Aber echt schön sieht’s da aus! Ich musste ein bisschen über den „Dicken Turm“ schmunzeln! Eine sehr zutreffende Beschreibung, muss man schon sagen! Aber der Innenhof hat mir noch viel besser gefallen! Vielleicht komme ich da auch mal hin!

    Liebe Grüße
    Jana

  3. Liebe Tanja

    Das hört sich nach einem sehr reizvollen Ausflugsziel an.
    Ich bin ein großer Fan von alten Gemäuern und besonders, wenn sich mehr oder weniger historische Geschichten darum ranken, wie von dem Mädchen von Esslingen.

    Liebe Grüße
    Gina

  4. Liebe Tanja,

    was für ein schöner Beitrag! In Esslingen war ich auch noch nicht, obwohl es von Frankfurt nicht soooo weit ist. Muss ich wohl mal ändern :)

    Ganz liebe Grüße
    Barbara

  5. Guten Morgen liebe Tanja,
    danke für den sehr interessanten Beitrag! Obwohl Esslingen keine halbe Stunde von uns entfernt ist waren wir noch nie an dieser tollen Burg!
    Würde aber wohl wie du oben mit dem Auto parken ;-)
    Meinen Hund 100te Stäffele tragen wäre mir dann doch zu anstrengend!
    Wegen dem Wappen vom Dicken Turm hab ich auch mal recherchiert, verblüffend, konnte ebenso nichts herausfinden.
    Liebe Grüße,
    Janina

  6. Das ist ja ein traumhafter Ort. Und ich habe ganz ehrlich bis heute noch nie etwas davon gehört. Da wir im Sommer sowieso mal für ein Wochenende nach Stuttgart wollen, kommt das SOFORT auf die Liste. Da muss ich unbedingt hin. Danke für diese tolle Inspiration.

  7. Liebe Tanja,

    ich liebe alte Gemäuer, ihre Geschichte und am liebsten übernachte ich darin.
    Glücklicherweise gibt es ja inzwischen so einige Möglichkeiten Prinzessin für eine Nacht neben dem Schlossgespenst an der Eichentruhe zu nächtigen.

    In dieser aber nicht, oder?

  8. So alte Gemäuer wirken doch immer wieder faszinierend. In Esslingen war ich glaube ich auch noch nicht. Nur gefühlt schon zig mal dran vorbeigefahren. Jetzt frag ich mich gerade warum wir noch nie angehalten haben. Kommt jetzt, auch dank deines Berichtes, mal auf die Liste.
    Viele Grüße
    Tanja

  9. Liebe Tanja,
    Esslingen habe ich in der Schwangerschaft etwas kennengelernt, als ich häufiger bei zur Akupunktur dort war. Die Burg habe ich noch nicht besucht, aber das werde ich sicher nachholen. Was meinst Du, ist das Gelände Kinderwagen-tauglich?

    • Hallo Carina, ja, der Weg ist auch sehr gut gepflastert. Ich weiß nur nicht mehr auswendig, ob man direkt zu den Kanonen mit dem Kinderwagen kommt. Alles andere ist aber recht gut machbar, da gepflastert.

  10. Hach, ich mag alte Burganlagen, Gemäuer und auch Schlösser.
    Am liebsten, wenn man darin übernachten kann :-)

    Auch wenn das bei deinen vorgestellten Burgen nicht klappt, du hast mich mit den schönen Bilder umgehend in eine andere Zeit versetzt und ein bisschen Träumen lassen.

    Ich geh dann mal mein Prinzessinnen Krönchen suchen :-)

    Liebe Grüße, Katja


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